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Typischer Planungsfehler des Architekten

Leistungsverzeichnis mit Lücken und Widersprüchen

Die Vorbereitung der Vergabe verlangt vom Architekten, dass Leistungsverzeichnisse zur Beschreibung der Bauarbeiten erstellt werden. Können Mängel am Bauwerk auf Fehler im Leistungsverzeichnis zurückgeführt werden, ist der Architekt regelmäßig zu Schadensersatz verpflichtet. Dies gilt selbst dann, wenn dem Architekten Grundlagen fehlten, die er benötigt hätte, um das Leistungsverzeichnis ordentlich aufzustellen.

Ärgerlich und besonders gravierend sind Fehler am Bau, die zu Feuchtigkeitsschäden im Bereich des Daches führen. Dass dahinter Mängel im Bereich der Dachdecker- und Klempnerarbeiten stecken, ist nicht immer gesagt. In einem Fall, den jüngst das OLG Brandenburg entscheiden musste, waren die Bauarbeiten einwandfrei. Die ursprünglich geplante – und erforderliche – belüftete Kaltdachkonstruktion hatte der Architekt allerdings als solche nicht im Leistungsverzeichnis, das den Arbeiten im Bereich des Daches zugrunde lag, beschrieben. Die Unterlagen ließen nicht klar erkennen, ob – und gegebenenfalls wie – das Dach entlüftet werden sollte. Einerseits war die Anbringung von Vogelschutzgittern im Traufbereich vorgesehen (die regelmäßig dazu dienen, das Eindringen von Kleintieren in dort vorhandene Belüftungsöffnungen zu vermeiden), andererseits fehlte ein Hinweis auf erforderliche Entlüftungsöffnungen bei der Firstpunktausbildung. Dies führte zur mangelhaften Leistung und Haftung des Architekten. Denn laut Gericht gehören Lücken und Widersprüche im Leistungsverzeichnis „zu den typischen Planungsfehlern im technischen Bereich und machen das Werk des Architekten mangelhaft“. Daran ändert sich nicht einmal dann etwas, wenn keine Detailplanung im Rahmen der Leistungsphase 5 vorliegt, die für ein fachgerechtes Leistungsverzeichnis erforderlich ist und auch aus den vom Architekten nicht selbst erstellten Genehmigungsunterlagen nicht hervorgeht, dass ein hinterlüftetes Dach entstehen soll. Übernimmt ein Architekt isoliert einzelne Leistungen aus dem vollständigen Leistungsbild, ist er dafür verantwortlich, dass diese fehlerfrei sind.

Maßgebliche Entscheidung: OLG Brandenburg, Urt. v. 29.08.2014, 11 U 170/11

Fazit: Entwirft der Architekt ein Leistungsverzeichnis, aus dem die gewünschte bzw. erforderliche Bauweise nicht widerspruchsfrei und eindeutig hervorgeht, haftet er als Planer. Oft wird der Fehler im Leistungsverzeichnis erst nach Fertigstellung der Bauarbeiten entdeckt. Eine Nachbesserung der Architektenleistungen kommt dann nicht mehr in Betracht, da sich der planerische Fehler im Bauwerk manifestiert hat. Der Architekt schuldet dann regelmäßig den Ersatz des Schadens, der durch das fehlerhafte Leistungsverzeichnis entstanden ist. Dabei müssen Kosten schadensmindernd berücksichtigt werden, die auch bei ordnungsgemäßem Leistungsverzeichnis entstanden wären (sog. Sowieso-Kosten).



Areas of practice: Building and architectural law

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