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Wahrscheinlich hat jeder Mensch gewisse Vorurteile. Bei mir traf das jedenfalls auf das englische Wetter zu, als ich im November 2014 für ein paar Wochen bei unserer englischen Partnerkanzlei Stevens & Bolton mitarbeiten konnte. Bei meiner Ankunft in Guildford, der Hauptstadt der englischen Grafschaft Surrey und dem Sitz von Stevens & Bolton, überraschte mich der strömende Regen also wenig.

In eigener Sache: Mit Schirm, Charme, aber ohne Melone – Secondment bei Stevens & Bolton

Ich war bereits der zweite Mitarbeiter unserer Kanzlei, der Stevens & Bolton im Rahmen eines Secondment kennenlernen durfte. Stevens & Bolton ist eine mittelständische Kanzlei mit 35 Partnern und rund 90 weiteren juristischen Mitarbeitern und verfolgt einen Full-Service- Ansatz. Dabei stellt die Kanzlei wie Menold Bezler mittelständische Unternehmen in den Mittelpunkt. Für Unternehmen, die sowohl in England als auch in Deutschland aktiv sind, bilden beide eine optimale Ergänzung, was sich auch schon mehrfach bewährt hat.

Während meines Secondments arbeitete ich im Finanzierungsteam um Jonathan Porteous, der im Jahr 2002 als Partner von Allen & Overy den Weg von einer internationalen Großkanzlei zu Stevens & Bolton fand. Einer der größten Unterschiede zur deutschen Finanzierungspraxis war der Umfang der Kreditverträge auch bei kleineren Finanzierungen. So umfasst auch der Kreditvertrag für eine Akquisitionsfinanzierung von nur 6 Mio. Pfund knapp hundert Seiten: Abschreckend, nicht nur für deutsche Mittelständler. Die Banken halten sich in England dabei in der Regel an den Standard der Loan Market Association, dessen deutsche Entsprechung eher auf großvolumige Konsortialfinanzierungen beschränkt ist. Hintergrund der umfangreichen Werke ist, dass die englischen Gerichte bei der Auslegung so weit wie möglich am Wortlaut des Vertrags festhalten. Deutsche Gerichte können eine vertragliche Bestimmung sogar entgegen ihres Wortlauts auslegen, wenn die Parteien nur etwas anderes wollten (und was sie eigentlich wollten, wird ihnen bisweilen vom Richter erklärt).

Beruflich wie persönlich war die Zeit bei Stevens & Bolton für mich eine große Bereicherung und ich lernte mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede kennen. Stevens & Bolton stehen mit ihren Mandanten vor denselben Herausforderungen wie wir in Deutschland: Wie geht es mit der heimischen Wirtschaft in einem unsicheren Euroumfeld weiter? Zuletzt war das Wirtschaftswachstum in England doppelt so stark wie in Deutschland und auch Investitionen aus Deutschland stiegen die letzten Jahre deutlich an. Dabei hat sich für mich eins gezeigt: Es lohnt den Blick über London hinaus, nicht nur wenn es um die Suche nach der passenden Kanzlei geht. 



Experts: Steffen Follner

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