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Sechs Fragen an Julia Traub

Wir stellen Ihnen in regelmäßigen Abständen Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Fachbereichen vor.

Sechs Fragen an Julia Traub

Sie sind als Rechtsanwältin bei Menold Bezler tätig. Was sind Ihre Schwerpunkte?

Mein Tätigkeitsschwerpunkt liegt im privaten Baurecht sowie im Architekten- und, Ingenieurrecht. Ich berate unsere Mandantschaft umfassend bei der Gestaltung, Prüfung und Verhandlung von Verträgen rund um das Bauen, insbesondere von BGB- oder VOB/B-Bauverträgen sowie Generalunternehmer- und Generalübernehmer-Verträgen. Ein weiterer Fokus meiner Arbeit liegt in der baubegleitenden Rechtsberatung: Hier unterstütze ich bei allen rechtlichen Fragestellungen, die während der Projektabwicklung auftreten, etwa im Nachtragsmanagement, bei Behinderungen und Bauablaufstörungen, bei vorzeitigen Vertragsbeendigungen sowie im Zusammenhang mit Abnahmen.

Darüber hinaus begleite ich bei der außergerichtlichen und gerichtlichen Durchsetzung oder Abwehr von Zahlungs-, Mängel- und Schadensersatzansprüchen. Ziel ist dabei stets eine praxisnahe und wirtschaftlich sinnvolle Lösung – sei es im Rahmen außergerichtlicher Streitbeilegung oder in der Prozessführung vor staatlichen Gerichten.

Im Bereich des Architekten- und Ingenieurrechts berate ich insbesondere zu Vertragsgestaltung sowie zu Honorar- und Haftungsfragen. 

Mein Anspruch ist es, komplexe rechtliche Zusammenhänge verständlich aufzubereiten und meine Mandanten über alle Projektphasen hinweg rechtssicher und lösungsorientiert zu begleiten.

Welcher Aspekt Ihrer Tätigkeit gefällt Ihnen am besten und warum?

Besonders schätze ich an meiner Tätigkeit auf der einen Seite die gestalterische Arbeit bei dem Entwurf von Verträgen und auf der anderen Seite die Entwicklung von Lösungen in streitigen Sachverhalten, die unter Berücksichtigung der jeweiligen Sachlage für unsere Mandantschaft optimal sind. Verträge bieten die Möglichkeit, komplexe Bauprojekte von Anfang an rechtssicher und praktikabel aufzustellen. Kommt es dennoch zu Konflikten, reizt mich vor allem die analytische Arbeit: Sachverhalte zu durchdringen, Interessen herauszuarbeiten und daraus klare, passgenaue und auch umsetzbare Lösungen zu entwickeln.

Ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit ist dabei der enge Austausch mit der Mandantschaft. Ich lege großen Wert auf direkte Kommunikation und greife bewusst auch zum Hörer, um Hintergründe zu klären, Zwischentöne wahrzunehmen und die entscheidenden Informationen im persönlichen Gespräch zu gewinnen. Gerade dieser Dialog auf Augenhöhe macht für mich den Unterschied – und ist häufig der Schlüssel zu einer effizienten, zielgerichteten und erfolgreichen Beratung.

Ist Ihnen ein Mandat / Projekt besonders im Gedächtnis geblieben?

Ein Mandat ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, weil es exemplarisch zeigt, dass sogar festgefahrene Bauprojekte noch zum Erfolg geführt werden können. In dem zugrunde liegenden Bauvorhaben war es zu einer Vielzahl gravierender Mängel gekommen. Die Situation erschien zunächst nahezu aussichtslos – nicht zuletzt, weil der Auftragnehmer jede Verantwortung von sich wies und keinerlei Bereitschaft zeigte, an einer Lösung mitzuwirken.

Die Mängellage war komplex, die Fronten verhärtet, und ein langwieriger, kostenintensiver Bauprozess schien unausweichlich. Durch eine konsequente Aufarbeitung der Mängel durch einen Sachverständigen, einer klaren Kommunikation der Rechtslage sowie der bestehenden Haftungsrisiken für den Auftragnehmer und zugleich das gezielte Aufzeigen praktikabler Lösungswege gelang es jedoch, Bewegung in die Sache zu bringen. Schritt für Schritt konnte der Auftragnehmer schließlich dazu bewegt werden, sich seiner Verantwortung zu stellen und eine aufwändige Mangelbeseitigung in Angriff zu nehmen.

Momentan ziehen alle Baubeteiligten an einem Strang, sodass das Bauvorhaben erfolgreich fertiggestellt werden kann und ein kräftezehrender Bauprozess vermieden werden kann. Dieses Mandat hat mir besonders eindrücklich vor Augen geführt, dass baurechtliche Beratung nicht nur Konflikte verwaltet, sondern im besten Fall dazu beiträgt, Projekte zu stabilisieren, Eskalationen zu vermeiden und Bauvorhaben ins Ziel zu führen.

War Ihr Berufswunsch schon immer Juristin?

Nein, mein Berufswunsch war nicht von Anfang an auf die Rechtsanwaltschaft ausgerichtet. Während meiner Schulzeit wollte ich lange Zeit Pilotin werden, da mich die Fliegerei und die Technik dahinter besonders faszinierten. Später rückte der Beruf der Architektin in den Fokus, vor allem wegen der gestalterischen Komponente. Erst kurz vor dem Abitur entwickelte sich der Wunsch, Juristin zu werden – zunächst mit dem klaren Ziel, eine Laufbahn in der Justiz, insbesondere bei der Staatsanwaltschaft, einzuschlagen.

Im Laufe des Referendariats stellte sich jedoch heraus, dass mich die anwaltliche Tätigkeit in einer Wirtschaftskanzlei deutlich mehr anspricht. Die Verbindung aus juristischer Gestaltung, engem Mandantenkontakt und der Möglichkeit, Sachverhalte aktiv mitzugestalten, hat mich überzeugt und schließlich meinen Weg in die Anwaltschaft bestimmt. Heute vereint meine Tätigkeit im Bau- und Architektenrecht meine Interessenfelder in idealer Weise.

Welche Dinge dürfen auf Ihrem Schreibtisch nicht fehlen?

  • Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) und Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI)
  • Post-It, Textmarker und Taschenrechner
  • Wasser

Haben Sie einen Geheimtipp für Stuttgart?

Ich kann einen Spaziergang zu der Grabkapelle auf dem Württemberg, gelegen auf einem Weinberg, wärmstens empfehlen. Die Grabkapelle wurde von König Wilhelm I. für seine jung verstorbene Ehefrau Katharina erbaut. Heute gilt sie daher als romantischster Ort des Landes – mit einem herrlichen Blick über die Weinberge und Stuttgart.

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