Aktuelles Recht

Der digitale Nachlass – Außer Spesen nichts gewesen?

Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, was im Todesfall mit Ihren E-Mail- und Social-Media-Accounts, Ihren digitalen Abonnements und Einkäufen passiert? Wissen Sie, was der jeweilige Anbieter mit Ihren Daten macht und ob Sie diese an Ihre Erben übertragen können?

Im digitalen Zeitalter hinterlassen wir jede Menge Spuren im Netz. Wir registrieren uns bei Facebook, Twitter und Co, wir kaufen oder abonnieren Musik, eBooks und Filme bei Apple, Amazon oder Netflix. Und nicht nur das. Per E-Mail, Whatsapp und Twitter gehen auch nach dem Tod weiterhin Nachrichten ein. Ebay-Käufer erwarten ggf. Antwort, Zahlungsdienstleister wie Paypal führen auch weiterhin Zahlungsaufträge für Bestellungen und Abonnements durch.

Anbieter verhalten sich unterschiedlich

Bisher gibt es keine einheitlichen Vorschriften, nach denen Anbieter im Todesfall zu verfahren haben. Nach dem Willen einiger Anbieter erlöschen im Todesfall die Lizenzen für gekaufte digitale Inhalte und die Erben sollen leer ausgehen. Im schlimmsten Fall löschen sie Inhalte und deaktivieren die Accounts nach der Benachrichtigung über den Todesfall und Prüfung der Daten. Andere gewähren hingegen Zugriff auf die E-Mail-Kommunikation. Soziale Netzwerke haben regelmäßig, ganz eigene Vorstellungen, was mit Ihrem Account nach dem Tod passiert. Facebook versetzt das Profil regelmäßig in einen „Gedenkstatus“, sofern Sie nicht vorher die sofortige Löschung eingestellt haben. Das Bearbeiten und der volle Zugriff auf das Profil des Verstorbenen durch die Erben ist nach dem Willen der sozialen Netzwerke in der Regel nicht möglich.

Was können Ihre Erben tun?

In den meisten Fällen hat der Verstorbene seinen digitalen Nachlass nicht geregelt. Für die Erben beginnt dann eine Spurensuche: Gibt es Online-Konten und wenn ja welche? Wie lauten die Passwörter dafür, denn ohne diese ist kein Zugriff möglich. Wichtig ist auch die Frage: Wo können Kosten entstehen? Denn laufende Verträge gehen im Todesfall auf die Erben über. Deshalb gilt es, möglichst schnell alle laufenden Verträge und kostenpflichtige Mitgliedschaften zu kündigen. Hinzu kommt, dass manche Hinterlassenschaften im Internet für Hinterbliebene schmerzhaft oder peinlich sein könnten.

Damit die Betreiber verschiedener Dienste tätig werden, verlangen Sie oft mindestens eine Sterbeurkunde oder einen Erbschein. Zusätzlicher Aufwand und Kosten können bei internationalen Anbietern etwa für eine beglaubigte Übersetzung der Sterbeurkunde entstehen. Will der jeweilige Anbieter den Erben dann keinen Zugriff auf den Account oder die Daten des Verstorbenen gewähren, müssen die Erben meist prozessieren. So hat das LG Berlin jüngst Facebook dazu verurteilt, den Eltern vollen Zugriff auf den Account ihres verstorbenen minderjährigen Kindes zu gewähren.

Was können Sie tun?

Dies alles zeigt, wie wichtig es ist, den digitalen Nachlass zu regeln. Sie können etwa für die Angehörigen die Zugangsdaten zu E-Mail-Konten und anderen Internet-Diensten handschriftlich in einem Testament hinterlegen. Dabei können Sie festlegen, dass nur bestimmte Personen Einblick in die Daten erhalten sollen. Dies birgt jedoch auch Gefahren, da bei Änderungen von Zugangsdaten auch das Testament geändert werden muss oder diese in die falschen Hände gelangen können.

Als Alternative bietet sich der Abschluss einer Vorsorgevollmacht an. Sie können darin bestimmen, auf welche Daten die Erben zugreifen dürfen und was damit geschehen soll, vor allem auch, welche kostenpflichtigen Abos und Zugänge nach dem Tod gekündigt werden müssen. Auch sollten Sie in Ihrem Testament oder Vorsorgevollmacht regeln, wer Ihre digitalen Güter, wie Musik, Filme oder ähnliches erbt und diesem die hierfür erforderlichen Zugangsdaten hinterlassen.

Nach und nach reagieren auch die ersten Anbieter auf die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Nutzer und der Erben. Neben Facebook bietet auch Google einen Kontoinaktivitätsmanager an. Der Nutzer kann zu Lebzeiten festlegen, wer nach seinem Tod über die Inaktivität des Kontos benachrichtigt werden und Zugriff auf sein Profil haben soll. Er kann auch bestimmen, dass das Profil dann komplett gelöscht wird. Facebook ermöglicht seinen Nutzern, einen Nachlasskontakt zu bestimmen, der das Profil weiter pflegen darf.

Maßgebliche Entscheidung:LG Berlin, Urt. v. 17.12.2015 – 20 O 172/15

Fazit: Der digitale Nachlass stellt Erben derzeit noch vor hohe Hürden. Nutzen Sie als Erblasser daher die Einstellungsmöglichkeiten, die Ihnen die Netzwerke als Nutzer geben, sowie die Chancen, die ein Testament oder eine Vorsorgevollmacht bieten. Dokumentieren Sie darin Ihren Willen, wer Ihren digitalen Nachlass erbt und wie er damit umgehen soll. Je genauer und konkreter Sie vorgehen, desto weniger Unklarheiten wird es auf Seiten Ihrer Familie/Betreuer oder Erben geben – und Sie haben die Gewissheit, dass mit Ihrem – materiellen und digitalen – Nachlass so umgegangen wird, wie Sie es sich wünschen!



Ansprechpartner: Andreas Kuhn

Rechtsgebiete: IT- und Internetrecht, Datenschutzrecht

Branchen & Lösungen: Nachfolge und Vermögen

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