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Fällt der Inhaber oder Geschäftsführer eines Unternehmens durch Krankheit, Unfall oder Tod plötzlich aus, kann dies für das Unternehmen existenzgefährdende Folgen haben, wenn nicht richtig vorgesorgt wurde. Ist das Unternehmen dann noch handlungsfähig? Wer kann geschäftliche und private Angelegenheiten regeln? Wer kann notwendige Gesellschafterbeschlüsse fassen?

Wenn der Chef plötzlich ausfällt – rechtzeitig vorsorgen!

Auf die gesetzlichen Regeln, die in solchen Fällen ohne eigene Vorsorge zur Anwendung kommen (bspw. Bestellung eines Betreuers oder Bestellung eines Notgeschäftsführers), sollte sich niemand verlassen. Diese sind meist schon allein aufgrund der langen Verfahrensdauer ungeeignet.

Die richtige Vorsorge für den Notfall ist daher unerlässlich. Dabei sollten insbesondere folgende Aspekte bedacht werden:

1. Für das Unternehmen muss sichergestellt sein, dass es noch andere Geschäftsführer, Prokuristen oder Handlungsbevollmächtigte gibt, die den Betrieb weiterführen und für das Unternehmen wirksam Verträge abschließen können. Dabei ist darauf zu achten, dass diese Personen auch die notwendigen Bank-Vollmachten haben, um Zahlungen an Mitarbeiter und Geschäftspartner veranlassen zu können.

2. Um in privaten und geschäftlichen Angelegenheiten Handlungsfähigkeit sicherzustellen und die zeitaufwendige gerichtliche Bestellung eines gesetzlichen Betreuers zu vermeiden, sollte jeder Unternehmer an eine oder mehrere Personen seines Vertrauens eine (unternehmensbezogene) General- und Vorsorgevollmacht erteilen. Dies ermöglicht es dem Unternehmer, den Bevollmächtigten im Voraus selbst auszuwählen und seinen Aufgabenkreis festzulegen.

3. Durch gesellschaftsvertragliche Regelungen und Vollmachten sollte sichergestellt werden, dass auch auf Gesellschafterebene noch Entscheidungen getroffen werden können (bspw. Zustimmung der Gesellschafter zu wichtigen Geschäftsführungsmaßnahmen). Außerdem sollte der Gesellschaftsvertrag Regeln für die Folgen des Versterbens eines Gesellschafters (Eintritt von Nachfolgern, Ausscheiden, Abfindung etc.) enthalten.

4. Auch für die Erbfolge sollten in einem Testament vorausschauende Regelungen getroffen werden, um eine Fortführung des Unternehmens sicherzustellen. Neben Regelungen zur Erbfolge selbst geht es dabei oft um die Anordnung von Testamentsvollstreckung. Dadurch kann insbesondere bei minderjährigen Erben eine sachgerechte Ausübung von Gesellschafterrechten sichergestellt werden. Bei der Testamentsgestaltung sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die testamentarischen Anordnungen im Einklang mit dem Gesellschaftsvertrag stehen, da andernfalls schwer zu lösende rechtliche Probleme auftreten können.

5. Alle wichtigen Dokumente wie Testament und Vollmachten sollten in einem Notfallordner aufbewahrt werden. Ratsam ist auch die Registrierung von Vorsorgevollmachten im Zentralen Vorsorgeregister, damit die Vollmacht im Notfall schnell aufgefunden wird. Genauso muss im Unternehmen sichergestellt sein, dass alle wichtigen Informationen und Unterlagen schnell verfügbar sind. Dies gilt bspw. für Passwörter und PINs, Aufstellungen der Bankkonten, wichtige Verträge, Vertretungspläne sowie Register- und Grundbuchauszüge.

Fazit: Für den „Fall der Fälle“ muss jeder Unternehmer- rechtzeitig Vorsorge treffen. Andernfalls kann sowohl die Existenz des Unternehmens bedroht sein als auch auf privater Ebene Handlungsunfähigkeit und Streit drohen.



Rechtsgebiete: Gesellschaftsrecht

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