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Vereinbarung kommt vor dem Geld

Vergütung von Stundenlohnarbeiten

Frei nach dem Motto „Hochmut kommt vor dem Fall“ glauben viele Handwerker und Baufirmen, Leistungen über Stundenlohnzettel abrechnen zu können, für die sie im Leistungsverzeichnis keine passende Position finden. Das bietet sich für die Unternehmer auch deshalb an, da über diesen Weg die gesamte tatsächlich aufgewendete Arbeitskraft in Rechnung gestellt werden kann. Doch Vorsicht: Bei Vereinbarung der VOB/B als Vertragsgrundlage müssen an dieser Stelle Voraussetzungen erfüllt sein, um Geld verlangen zu können.

Es ist wie so oft auf der Baustelle: der Polier stellt bei seinem ersten Besuch fest, dass noch ein wenig Müll und Gerümpel weggeräumt werden muss, bevor mit den eigentlichen Arbeiten begonnen werden kann. Daran gedacht hat keiner, als das Leistungsverzeichnis aufgestellt wurde, welches auch keine Stundenlöhne ausweist. Ein Anruf beim Bauleiter des Auftraggebers genügt, und der Polier kann mit der Beseitigung des Materials beginnen. „Ja, wenn es sein muss!“, lautet oft die schlichte Aufforderung. Die aufgewendeten Stunden lässt er durch seine Arbeiter auf Stundenzetteln dokumentieren und zeichnet diese ab. Zur Gegenzeichnung der Zettel durch den Bauherrn kommt es nicht. Die Schlussrechnung weist für die Schuttbeseitigung Stundenlohnarbeiten im Umfang von 5.000,00 Euro aus.

Um solchen Überraschungen vorzubeugen, schreibt die VOB/B ausdrücklich vor, dass Stundenlohnarbeiten nur dann vergütet werden, wenn sie als solche vor ihrem Beginn ausdrücklich vereinbart worden sind. Ausnahmen von diesem Grundsatz sind rar. Dass ad-hoc-Arbeiten über Stundenlöhne abgerechnet werden können, ist also keine Selbstverständlichkeit. Ganz im Gegenteil: Ohne Stundenlohnvereinbarung hat der Auftragnehmer äußerst schlechte Karten mit seiner Abrechnung. Nicht zwingend erforderlich ist dagegen eine Verständigung über die Höhe der Stundensätze. Fehlt eine solche, haben die Vertragsparteien aber die Vergütung von bestimmten Arbeiten über Stundenlöhne an sich vereinbart, gilt die ortsübliche Vergütung. Auch das steht in der VOB/B.

Fazit: Ohne Stundenlohnvereinbarung ist der Auftraggeber berechtigt, die Vergütung entsprechend abgerechneter Leistungen abzulehnen. Ob der Auftragnehmer seine erbrachten Arbeiten bezahlt bekommt, ist eine andere Frage. Denn über § 2 Abs. 5 und Abs. 6 sowie über § 2 Abs. 8 bietet die VOB/B Instrumente, die dem Auftragnehmer die Möglichkeit geben, entstandene Aufwendungen gebührend entlohnt zu bekommen.



Ansprechpartner: Alexander Knodel

Rechtsgebiete: Bau- und Architektenrecht

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